| Unser Dorf - Jork einmal
anders gesehen!
Dieser Bericht wendet sich an alle,
denen die fast immer gleichen Fotos von rosaroten Blüten, dekorativen
alten Häusern und bunten Trachten in den zahlreichen Büchern,
Broschüren und Prospekten langsam auf die Nerven gehen, und die darüber
hinaus auch noch mit kitschigen Vorgärten, phantasielosen Neubauten
und verschandelten Läden in unserem Dorf ein Problem haben. Bunte
Ansichtskarten einer zweifellos immer noch existierenden Idylle sind eben
nur die eine Hälfte der Medaille. Sie gaukeln eine heile Welt vor,
die schon lange nicht mehr existiert, und sie vermitteln dadurch vielen
Menschen eine trügerische Illusion. Die nicht so fotogene Kehrseite
wird leider oft übersehen!
Mein Bericht ist übrigens auch
gedacht für jene, die über den hier stark zunehmenden Autoverkehr
mit seinen oft negativen Folgen für die Umwelt beunruhigt sind.
Stichworte wie Flughafenerweiterung in HH-Finkenwerder, Deichverlegung
Hahnöfersand, Autobahnen A20 und A26 lassen ahnen, was in naher Zukunft
an Problemen auf uns zukommt bzw. ja schon zum Teil unwiderruflich geschehen
ist. Leider ist diese Entwicklung kaum aufzuhalten.
Vielleicht gelingt es aber doch noch,
eine stärkere Sensibilisierung sowohl der Einwohner als auch der Touristen
für diese bedauerlichen Zustände zu erreichen und die allerschlimmsten
Auswüchse zu vermeiden.
Immerhin werden ja gelegentlich auch
begrüßenswerte Anstrengungen unternommen, wie zum Beispiel die
Eigentümer denkmalgeschützter Häuser bei Renovierung und
Pflege finanziell zu unterstützen, zusätzlich gibt es eine Anerkennung
in Form eines jährlich stattfindenden Wettbewerbs. Das ist jedoch
nicht ausreichend. Weder in finanzieller noch in ideeller Hinsicht!
Im Bewußtsein der überwiegenden
Mehrheit der Bevölkerung spielen diese hier angedeuteten Probleme
leider keine sehr große Rolle. Wie sollten sie auch, wenn es einerseits
vorwiegend um ökonomische Interessen geht und andererseits vielen
Menschen der Sinn für die Erhaltung überlieferter Formen und
Bauweisen abhanden gekommen ist - vielleicht sogar nie vorhanden war! Hinzu
kommt bei vielen Bauherren und so genannten "Baumeistern" ein fehlendes
Gespür für das Echte und Originale. Die Unfähigkeit, Altes
auch einmal stilsicher mit Neuem zu verbinden und kreativ - zum Beispiel
mit Stahl und Glas - etwas Individuelles und Modernes zu schaffen, ist
leider immer noch die Regel!
Man sollte im übrigen den "Fachwerkstil"
bei Neubauten nicht so ohne weiteres übernehmen, sondern möglichst
nur dort einsetzen, wo er wegen des Umfeldes Sinn macht, z.B. in Baulücken
oder einem Ensemble im Ortskern. Aber auf keinen Fall, wenn es schlechte
Kopien sind, die das Original nur vortäuschen!
Neues sollte entstehen, das sich dem
Alten ebenbürtig an die Seite stellen kann. Doch Häuser im "Maurermeisterstil"
sind das deprimierende und klägliche Resultat!
Jork steht in dieser Hinsicht hier
nur als Beispiel für viele andere Dörfer im Lande. Eine endlich
auf den Weg gebrachte Gestaltungssatzung wird hoffentlich in Zukunft die
schlimmsten Bausünden verhindern. Aber allein die Tatsache, dass es
ohne Vorschriften überhaupt nicht geht, zeigt die ganze Misere, in
der wir uns heute offenkundig befinden, nur um so deutlicher.
Vielleicht tragen meine Anmerkungen
ein wenig dazu bei, dass unser an einigen Stellen immer noch schönes
Dorf sich den unverzichtbaren Rest seiner Originalität bewahren kann
und gleichzeitig ein Umdenken bei seinen Bewohnern im Hinblick auf die
künftige Ortsentwicklung erreicht wird.
Es lohnt sich - für uns alle!
Fred Lang
Nachtrag 1
In diesem Zusammenhang hat mich eine schon
vor langer Zeit verfasste Abhandlung sehr beeindruckt.
Sie zeigt eindringlich und überzeugend
den auch schon damals nur geringen Stellenwert denkmalpflegerischer Belange
gegenüber wirtschaftlichen Interessen auf:
Jork. Über die Zerstörung
eines der schönsten Dörfer des Alten Landes
Verfasser: Fritz v. Osterhausen, Amt für
Denkmalschutz Stade.
Hier ein hoffentlich aufrüttelndes
Protestplakat!
Verantwortlich: Hamburgs
Elbregion e.V. Jork
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Nachtrag 2
Hier ein bedenkenswerter Artikel aus der
Wochenzeitschrift DIE ZEIT:
"Der Obstkorb
der Nation"
Erntedank im Alten Land: Wie oft wird
es das noch geben? Deutschlands größtes Obstanbaugebiet droht
unter Hamburgs Airbus-Ausbau und neuen Straßentrassen zu verschwinden.
Seine einzigartige Geschichte scheint zu Ende zu gehen.
Von Emanuel Eckardt
© DIE ZEIT 23.09.2004
Nr.40
Hier der Link: http://www.zeit.de/2004/40/A-Altes_Land
Nachtrag 3
Zur Zeit (2009) bemüht sich die "Arbeitsgruppe
Welterbe für das Alte Land" mit großem Einsatz um seine Anerkennung
durch die UNESCO.
Spät! Zu spät? |